Seit einiger Zeit beobachte ich interessiert, dass auch die Herausgeber sich über Verbesserungen im anthroposophischen »Blätterwald« Gedanken machen. Dazu einige Anmerkungen:
Das erneuerte Konzept von die Drei, das neue, breitere Leserkreise einbeziehen könnte, passt an und für sich in die Zeit.
Von der Wochenschrift Das Goetheanum in der Schweiz und der deutschen Mitteilungen aus der Anthroposophischen Gesellschaft ist z.B. von einer neuen gemeinsamen Beilage Anthroposophie weltweit zu erfahren. Auch hier liegt diese stärkere Vernetzung mit gegenseitiger und damit breiterer Information zunächst richtig; zumal in dieser Zeit auch an Anthroposophie-nahe Bestrebungen erhöhte Anforderungen gestellt sind.
Nur, die bisherige Form dieser Neuerungen ändert nichts an der seit Jahren sehr großen Zahl anthroposophisch orientierter Zeitschriften. Durch die vor noch nicht allzulanger Zeit hinzugekommenen Mitteilungen hat sich dies Angebot sogar vermehrt, und die jetzigen Neuerungen führen zu einer Ausweitung des Umfangs. Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass die Menschen bis in die anthroposophischen Gefilde hinein in den letzten Jahren immer weniger in der Lage gewesen sind, solche Mengen schriftlichen Materials auch genügend gründlich zu lesen bzw. irgendwie auszuwerten. Manchmal wäre eine seitenzahlmäßig konzentriertere Fassung derselben Inhalte besser aufnehmbar.
Daher möchte ich die Frage stellen, ob denn alle Zeitschriften weiterhin getrennt erscheinen müssen.
Dieses getrennte Erscheinen ist zwar zweckmäßig bei anthroposophischen »Fachzeitschriften«: Lebendige Erde (Landwirtschaft), Merkurstab (Ärzte) Ernährungsrundbrief, Stil (Architektur, Kunst). Darüber hinaus könnte hier z.B. Die Christengemeinschaft genannt werden.
Nun gibt es jedoch eine ganze Reihe von Zeitschriften mit größerer oder kleinerer Auflage, die mehr allgemein anthroposophisch sind und Gedanken zum Zeitgeschehen einbeziehen: die Drei, Info 3, Lazarus, Novalis u.a. Die Leserkreise überschneiden sich teils, aber vorwiegend müssen sich die Menschen für die eine oder andere davon entscheiden, oder lernen eine andere gar nicht kennen. So steht auch vielen wichtigen Inhalten nicht die ganze Breite dieser Leserschaft zur Verfügung. Dies nicht etwa, weil die redaktionellen Konzepte so unvereinbar wären, sondern weil eben nicht überall alles stehen kann. Außer, wenn zumindest einige davon zusammengelegt würden.
Mit diesen Überlegungen soll auf keine Zeitschrift - und schon gar nicht auf eine der kleineren - Druck ausgeübt werden. Wo ein Grund gesehen wird zum gesonderten Erscheinen, ist und bleibt die jeweilige Herausgeberschaft frei in ihrer Entscheidung. Es kann auch keineswegs um ein zentralistisch verwaltetes »Einheitsorgan« gehen, das die Meinungsvielfalt unterdrückt. Es dürfte in unserer Zeit möglich sein, gerade bei einer komplizierteren Redaktion oder einem entsprechend erweiterten Redaktionsbeirat Vielfalt zum Ausdruck kommen zu lassen. Dies könnte sogar zu einem freiheitlicheren Umgang mit manchen Beiträgen führen. Damit wiederum könnte das Geschehen insgesamt besser widergespiegelt werden.
Damit das noch etwas vorstellbarer wird, hier das Beispiel einer Vereinigung von die Drei und Info 3: Bei Menschen galt die erstere mehr als »klassisch« und die letztgenannte hatte etwas »alternativ-anthroposophisches Flair«. Aber zum einen scheint eine Annäherung stattgefunden zu haben; und zum anderen mögen als entfernter Vergleich die Kirchentage herangezogen werden: Ist beim Katholikentag der »Katholik/innentag von unten« noch streng einen Kilometer getrennt, so ist beim Evangelischen Kirchentag ein »Markt der Möglichkeiten« schon seit vielen Jahren ein integrierter und trotzdem identifizierbarer Bestandteil, was sich als fruchtbar erwiesen hat.
Unter den anderen, mehr anthroposophisch-intern ausgerichteten Zeitschriften fallen ins Auge: die erwähnten Mitteilungen und das Goetheanum. Letzteres könnte zu beiden Bereichen gerechnet werden, hier ist jedoch besonders die Beilage »Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht« gemeint. Auch hier ist die Frage, ob diese beiden, nun etwas zusammenarbeitenden Schriften nicht gänzlich zusammengelegt werden können. Beim Goetheanum ist in Form des Beilagensystems bereits vorgebildet, wie bei einer gemeinsamen Zeitschrift gearbeitet werden könnte.
Durch ein solches, variables Eindruck- und Beilagensystem wäre sogar eine noch stärkere Vereinigung sogar der beiden genannten Gattungen von Zeitschriften nicht ganz unmöglich. Sie wird hier jedoch nicht gefordert. Der eine Teil könnte breit angelegt sein, und der andere könnte mehr auf das Geschehen in Institutionen usw. im anthroposophischen Umkreis zugeschnitten sein. Würde eine solche einzige Zeitschrift - bei Beachtung des Freien Geisteslebens im besten Sinne - nicht eine noch stärkere Ausstrahlung bringen? (Natürlich nur dann, wenn die anthroposophische Bewegung sich zur Jahrtausendwende so entwickelt, dass sie auch genügend auszustrahlen hat!)
Bewusst erst zuletzt soll ein weiterer Gesichtspunkt für Zeitschriftenkombinationen erwähnt werden, nämlich der finanzielle. Denn er soll nicht das Ausschlaggebende sein. Er wird aber leicht von selbst ausschlaggebend, wenn sich die Betroffenen nicht vorher auf anderer Basis verstehen lernen. Sowohl Verlage als auch die Leser/innen müssen heute oft stärker rechnen.
Ich trete daher dafür ein, zuerst die sachlichen Gründe zu bedenken und dann die finanziellen eher als »Kleingedrucktes«, als Teil der Durchführung.
Hermann Benz, Villingen-Schwenningen
Zum Beitrag »Wort - Macht - Mündigkeit« (Ute Hallaschka) in Heft 11/98 Seite 47.
Methode für hochkarätige Lyrik
Allerdings lassen manche Presseveröffentlichungen und andere Medienberichte über anthroposophische Einrichtungen berechtigte Sorge aufkommen. Etwa ein Artikel, welcher in der Zeit erschien, nachdem dieses Blatt sich nun zum Besitz von Holtzbrinck zählen darf.
Oder die ebenso irreführende wie rufschädigende Herausstellung bestimmter Personen als angebliche Anthroposophen in der bayerischen Kruzifixaffäre.
Was den Spiegel angeht, so traf ihn wohl weithin Unmut, als (die Nichtanthroposophin) Frau Kübler-Ross sich darüber beklagte, der Spiegel habe ihre bei einem Gespräch getanen Äußerungen unrichtig aufgefasst und demgemäß eine unzutreffende Darstellung gegeben.
Der Ausdruck »Sippenhaft« erweist sich bei der Lektüre oben genannten Artikels zwar als nicht ernst gemeint, ist aber eine terminologische Verzerrung zwecks plakativer Aufmachung im Inhaltsverzeichnis, deren Pointe davon lebt, dass jemand ausgerechnet wegen Verbreitung nationalsozialistischer Anschauungen mit quasi-Sippenhaft belegt wird, und das noch durch eine Einrichtung, die während des Dritten Reiches verboten war.
Allerdings referiert Frau Hallaschka im Rahmen ihrer intentionalen Lesung nicht ganz treffend: »Eine Art Sippenhaft - Verstoß gegen das Schulrecht -«, denn der Spiegel schreibt doch: »Eine Art Sippenhaft, die im Schulrecht eigentlich nicht vorgesehen ist«, und weist dann darauf hin, dass Privatschulen so etwas unter Umständen doch dürften.
Abschließend bitte ich, mir die Einschätzung nicht verübeln zu wollen, die an dem Artikel des Spiegel exerzierte Methode intentionalen Lesens eigne sich vornehmlich zur Interpretation hochkarätiger Lyrik.
Felix Ekowski, Hannover
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