Leserforum



Leserbriefe warten im Sommerloch

Leserbriefe warten im Sommerloch
Dieses Heft wurde wegen der späten Ferien in Baden-Württemberg bereits Anfang August fertiggestellt. Daher konnten wir Leserbriefe, die vielleicht im Lauf des August an Gestaden und auf Berggipfeln entstanden sein werden, nicht mehr berücksichtigen.

Wir freuen uns auf Ihre Briefe und drucken diese gerne im Oktoberheft ab!
Wir ersetzen die Leserpost – durch Lyrik!

Die Redaktion



Vielleicht

Vielleicht sollte ich mir einmal Gedanken
über meinen Tagesablauf machen,
um nicht schon morgens mit einem
Vielleicht im Atem aufzuwachen,
lahm und faul in die Vielleichts zu schlüpfen
und vielleicht etwas zu arbeiten.

Vielleicht sollte ich jetzt an dieser Stelle
das Viel vom Leicht trennen und überlegen,
ob ich leicht wie Wolken und Federn schweben
und vielleicht süß und weich im Wattebett
träumen möchte oder vielleicht mein inneres
Chaos mit vielen Gedanken und vielen Gefühlen
füttern soll, bis es dicker und dichter und
enger wird und vielleicht vom vielen Tief
und Schwer ganz viele Schmerzen leiden muss.

Vielleicht ist es aber auch ratsam,
das Viel dem Leicht zu lassen und besser
nach rechts zu schauen, wo man vielleicht
dem Ja begegnet, das stark und hoffnungsvoll
seinen Willen durchsetzt, oder vielleicht
einen Blick nach links zu werfen, wo
das Nein vielleicht gerade mit dem Fuß
aufstampft und ebenso stark und gewillt
kein Vielleicht duldet.

Aber vielleicht sollte ich dieses Wort
einfach nur an einen gelben Ballon binden,
damit es luftleicht aufsteigen
und ich mich frei und entschlossen
den vielen Jas und Neins zuwenden kann,
die mir garantiert ohne Vielleicht
viel leichterfallen werden.

Saskia Fischer

Aus dem Gedichtband »Wenn ich Himmel wär«, Düsseldorf 1998


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