Licht und Finsternis. Eine philosophisch-poetische Reflexion
Der kriegerische Kosmos des Dualismus
1.
Vom Licht, das in die Finsternis schien bis zum Licht der Aufklärung spannt sich der Bogen der abendländischen Lichtmetaphysik. Zoroastrischen Ursprungs, strahlt der Gegensatz von Gut und Böse, die an Licht und Finsternis gebunden sind, durch die Jahrtausende. Im Licht des Osiris leuchtet er auf, im platonischen Licht der Ideensonne, im Lichte, das in die Finsternis schien, in der augustinischen Illuminationslehre, in Licht und Schatten der dionysischen hierarchia entis, in der Mystik der syrischen Hesychasten, im natürlichen und übernatürlichen Licht thomasischer Geistanschauung, in Meister Eckeharts innerem Lichtfünklein, der scintilla animae, im Licht der Vernunft, das den Siegeszug der neuzeitlichen Naturwissenschaften einleitete, im Licht der Aufklärung, das angemaßte Macht vom Thron stieß und die Altäre unverständlich gewordener Dogmen zertrümmerte.
Aber ebenso majestätisch klingt das Raunen von der Gegenerzählung durch die Jahrtausende. Der Erzählung von den Mächten des Bösen und der Finsternis: anhebend mit dem pesthauchenden Widersacher des Ahura Mazdao, über die Finsternis der Genesis gegenüber der das dem Wort entspringende Licht sieghaft entflammte , über die platonische Finsternis des hyletischen Mutterschoßes, in dem die Substanz alles Seienden urständet, über das Dunkel, in dem das innere Licht der Mystik zu leuchten beginnt, über das Seelendunkel, das vom Licht des Verstandes in der Dominikanertheologie des Hochmittelalters erhellt wird, bis zum Dunkel des sylva naturae in der frühen Neuzeit, das der menschliche Verstand zu durchleuchten hat, wenn er Macht über die Kräfte des Natur gewinnen will. Theologie und Philosophie standen immer im Dienste des Lichtes, glaubten zu siegen, wo sie in Wahrheit erlagen. Denn sie erlagen der Faszination eines Lichtes, das sie zu beherrschen begann, und das seine Herrschaft über die Finsternis zwanghaft erzwingen musste. Der dualistische Kosmos ist ein kriegerischer Kosmos. Die Polarität der beiden Urkräfte macht es dem Menschen, der zwischen ihnen ausgespannt ist, unmöglich, anders als durch Kampf und Krieg die Vermittlung zu suchen. Doch erstirbt der kosmische Widerpart durch die Anstrengung des Menschen oder durch ein göttliches Opfer oder durch beides im Verein, dann erstirbt auch jene Macht, die ihr Dasein nur dem feindlichen Gegenüber verdankte. In diesem fundamentalen Dilemma liegt die Ambivalenz des dualistischen Kosmos begründet, entfaltet sich auch das moralische Dilemma des neuzeitlichen Menschen: Allein gegen das Fleisch, gegen das Walten der Lebensmächte, gegen das Dunkel der Seele glaubt er seine sittliche Integrität erlangen zu können. Dieser Ambivalenz hat noch Kant mit seiner Lehre von der Unversöhnbarkeit von Pflicht und Neigung Ausdruck verliehen. Nur wenn der Gegensatz ewig ist, der Widerstreit nicht aufhebbar, kann der dualistische Kosmos existieren. Er geht mit dem Untergang des Gegensatzes selbst zugrunde.
Grenzen der Logik
Doch in Wahrheit geht er nicht zugrunde, sondern er geht nur über: in den monistischen Kosmos, aus dem er auch entsprungen ist, den er zertrümmerte, um sein eigenes, nur geliehenes Dasein zu gewinnen. Die Einheit steht am Anfang ebenso wie am Ende. Aber die Einheit ist weder das Eine noch das Andere. Die Einheit ist davor, darüber und dazwischen. Nur wo der Gegensatz noch nicht war, konnte die Einheit sein, nur wo der Gegensatz auf sie hin überstiegen wird, nur wo er sich zu ihren Gunsten aufhebt, kann sie Gestalt annehmen. So ist es auch falsch, sich den Anfang oder das Ende in der Gestalt eines jener Extreme vorzustellen, die aus der Einheit hervorgegangen sind. Selbst der Unterschied von Anfang und Ende hebt sich in der Einheit auf, was nur heißen kann, dass die Einheit mit den kategorialen Unterschieden des Zeitbegriffs nichts zu tun hat. Nur geraten wir an diesem Punkt an die Grenze unserer Sprache und nicht nur unserer Sprache, sondern auch unseres Denkens zumindest solange, als es sich in den Bahnen der Dualität bewegt und jedem Begriff seinen Gegenbegriff an die Seite stellen muss, ja überhaupt noch die Tätigkeit des Begriffe-Bildens ausübt. Nur wenn es in die begriffslose oder überbegriffliche Werdewelt seiner Bildekraft versinkt, kann es zu einem Erlebnis jener unentzweiten Einheit gelangen und aus dem Erleben die Erinnerung daran schöpfen, wenn es aus dem tiefen Bronn wieder auftaucht.
Der Gegensatz von Licht und Finsternis ist auch ein moralischer Gegensatz. Das Licht ist gut, die Finsternis böse. Bis in die Aufklärungszeit bleibt diese Auffassung herrschend, ja bis ins 20. Jahrhundert, in dem die Mächte des Lichtes den Mächten der Finsternis lange genug gegenüberstanden. Die Koexistenz der Machtblöcke ermögliche ein Leben im Weltfrieden, argumentierten die Befürworter der atomaren Abschreckung. Dass mit dem Ende dieser Dualität nicht das Ende der Geschichte anbrach, sondern ihre Erstarrung aufgehoben wurde, die Zeit erst wieder ins Fließen kam, wurde aber auch von Gegnern dieser Abschreckung übersehen. Heute ist jedoch im Weltgeschehen nicht die Einheit eingekehrt, vielmehr kam die Vielfalt, die lange unterdrückt war, wieder zum Vorschein und »das Ende der Geschichte« war lediglich ein Ende der Fixierung des Denkens auf den Gegensatz von Licht und Finsternis.
Aporie der Moral
Im Verlauf der Geschichte vollzog sich aber auch, als verspätete Folge der Aufklärung, eine Entwicklung, durch die der Gegensatz von Gut und Böse erodierte und die starre moralische Dualität zerbröckelte. Es zeigte sich, dass, wer für das Gute stritt, böse wurde, und wer böse war, gut wurde, weil er das Daseinsrecht des Anderen vertrat. So hat Heuchelei und Bigotterie sich mit heiligen Zwecken gerechtfertigt, um finsteren Zielen nachzugehen. Die Verlogenheit der Vertreter des Lichtes wurde offenbar, wenn sie gegen ihre eigenen Prinzipien verstießen, um ihre Gegner zu beseitigen. Der Zweck heiligte auf einmal die Mittel und dieser Grundsatz wurde zur Maxime des politischen und individuellen Handelns erhoben.
Doch ist diese Verfallsgeschichte selbst Teil einer sich durch die Jahrhunderte erneuernden Erzählung: Es ist die Erzählung vom Guten, das am Anfang liegt, und sich in den Wüsten der Zeit verliert, weil das Schlechte überhand nimmt. Und diese Erzählung muss sich mit jeder Generation erneuern, nicht nur, weil die Alten sie den Jungen weitergeben, sondern, weil die Jungen selbst erleben, wie sie älter werden und das Gute, das am Anfang stand, ihnen verlorengeht. So hat jede Generation ihre Ursünde und ihre Urschuld, ihr Gutes, das am Anfang stand, und ihre Hoffnung auf Wiederherstellung, auf Apokatastasis. Die Weltgeschichte ist ein Abbild des Bewusstseins der eigenen Lebensgeschichte. Auch hier waltet Dualismus, wütet die Tyrannei des Gegensatzes.
Der Doppelsinn der Genesis
2.
Die Genesis enthält zwei Erzählungen über das Werden des Menschen: die Erzählung von der Erschaffung seines Seins und die Erzählung vom Aufgang seines Erkennens. Erst muss das Sein sich in sich selbst entzweien, damit die Erkenntnis vom Sein aufgehen kann. Aber das entzweite Sein ist nicht mehr das ursprünglich Eine. Die Entzweiung ist gemäß dem Chronisten der Schöpfungsmächte noch nicht böse, obwohl sie die Voraussetzung der Erkenntnis ist. Böse ist erst die Erkenntnis. Denn des Menschen Erkennen ist sein Sündenfall, hat doch dessen Erschaffer zum Menschen gesagt: Wenn Du von diesem Baum der Erkenntnis isst, wirst Du von meinem Willen abfallen.
Dann trat der Abfall ein, das Licht wurde gebracht, aber das Licht war eine Gabe des Bösen und trug die Früchte des Bösen. Nicht dass der ursprüngliche Mensch seine Einheit verlor, war ein Akt der Gewalt, ging er doch vom Schöpfer aus, sondern dass der entzweite Mensch den Einflüsterungen des Lichtbringers erlag, der zugegebenermaßen auch ein Gott war, aber ein Gegengott. Die religiöse Metaphysik führt einen Schritt zurück, vor die Erschaffung des Menschen. Denn vor dem Abfall des Menschen stand der Abfall des Himmels. Der Abfall des Himmels aber war ein Abfall im Licht. Licht stand gegen Licht auf.
Welch priesterlicher Hintersinn verbirgt sich in dieser Geschichte. In der vordergründig offensichtlichen Verkündung der kosmischen Dualität von Gut und Böse steckt die Gegenerzählung wie der Hase im Vexierbild. Denn wo Licht gegen Licht aufsteht, trägt das Licht seine eigene Finsternis in sich oder ist seine eigene Finsternis. Der Gegengott, wo kam er her, wenn nicht aus dem Einen, der alles erschaffen hat? Die Beantwortung dieser Frage hat Tausenden von Büchern zur Geburt verholfen und noch heute fragen wir uns dasselbe.
Die Liebe zu Verfallsgeschichten
Auch hier kehrt gewöhnlich die Verfallsgeschichte wieder. Der Gegengott ist ein Geschöpf, vom Einen abgefallen, aber ein vormenschliches Geschöpf, ein Engel, eine Geistwesenheit. Der höchste Engel ist es, der am tiefsten fällt. Warum fällt er? Weil er nicht der Eine sein kann und doch der Eine sein will. Was wäre daran verurteilenswert? Müsste der Eine sich nicht freuen, dass sein Geschöpf sein will wie er? Ist diese Vorstellung so kindisch? Wäre er etwa eifersüchtig auf den zweiten Einen, der ihm in allem gleich ist und hätte ihn deswegen bestraft? Ist das Böse nur das verstoßene Gute? Das Gute, das Gott verstoßen hat: der verlorene Sohn in Wahrheit ein verstoßener Sohn?
Der prächtigste Engel war der herausragendste aller Söhne. Welche Konkurrenz erwuchs da dem Vater! Deswegen musste er ihn verstoßen. Und warum ist nie die Rede von der Mutter und den Töchtern? Die himmlische Welt: ein Abbild der irdischen Priestergesellschaft? Die Engel so geschlechtslos wie die Mönche, die ihr Geschlecht verleugnen, weil sie glauben, nur geschlechtslos in den Himmel zu gelangen? Die in ihrer Exaltiertheit sich entmannen, um Gott näher zu sein, wie Origenes? Auch Goethe hatte mit diesem Problem des Ursprungs zu kämpfen, lässt er doch Mephisto zu Faust sagen:
»Ich bin ein Teil des Teils, der Anfangs alles war,
ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar,
das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
den alten Rang, den Raum ihr streitig macht.«
Während er hier, ganz Dichter, den Standpunkt Mephistos vertrat, hielt er in seiner Farbenlehre als Physiker Licht und Finsternis eher für gleichursprünglich: Generieren doch in der Region der Urphänomene Licht und Finsternis gemeinsam die Welt der Farben. »Wir sehen auf der einen Seite das Licht, das Helle, auf der andern die Finsternis, das Dunkle, wir bringen die Trübe zwischen beide, und aus diesen Gegensätzen, mit Hülfe gedachter Vermittlung, entwickeln sich, gleichfalls in einem Gegensatz, die Farben, deuten aber alsbald, durch einen Wechselbezug, unmittelbar auf ein Gemeinsames wieder zurück.« (Didakt. Teil, 175) Hielten wir an unserer Gleichsetzung Licht=gut und Finsternis=böse fest, so hätte die Übertragung dieser Dualität in die Argumentation Mephistos, die ja mit der Genesis und dem Prolog des Johannes-Evangeliums übereinstimmt, fatale Konsequenzen für das dualistische Weltbild. Die Finsternis des Dualismus wäre der böse Ursprung des Guten. Aber wir können gemäß den vorherigen Überlegungen den einheitlichen Ursprung der Dualität nicht mit einer der beiden Hälften des Gegensatzes gleichsetzen, der aus jenem hervorgeht. Die ursprüngliche Finsternis ist weder gut noch böse, sie ist beides und mehr als beides, wenn das Gute nur als Gegensatz zum Bösen verstanden wird.
Morgenröte im Aufgang
3.
Das Licht ist immer auch das Licht des Bewusstseins. Gäbe es dieses Licht nicht, dann vegetierten die Geschöpfe in bewusstloser Gleichgültigkeit dahin. Zuletzt scheint dieses Licht als Licht des Denkens in der menschlichen Seele auf. Auch hier wird das Licht aus der Finsternis geboren. Die Hinbreitung des Seins geht dem Aufgang der inneren Sonne voraus. Diese beleuchtet die äußere Finsternis und die Schöpfung wird lichtvoll, weil das Licht sich selbst erblickt. Dort draußen ist es verborgen, inwendiges Licht in der Natur. Im Menschen wird es offenbar, auswendiges Licht, das aus der Natur hervorgeht und über sie hinausgeht. Eine neue Qualität des Lichtes scheint in der Menschenseele auf: Das Licht macht eine Wandlung durch, es potenziert sich. Nun beginnt es aus den Augen der letzten Kreatur zu strahlen und wird zum Fokus seiner Aufmerksamkeit, mit dem er die Finsternis des Seins durchdringt. Ähnlich verhält es sich mit den Dunkelheiten, Verdunkelungen, Finsternissen. Auf jeder Stufe des Seins, in der Emanation ebenso wie in der Resorption, wandeln die Grundkräfte ihre Gestalt, wandeln ihre innere Beschaffenheit.
Licht des Verstandes
Ein starrer Dualist wird durch die Vieldeutigkeit der Metaphern an den Rand der Verzweiflung getrieben. Von welchem Licht und welcher Finsternis ist nun eigentlich die Rede? Wer um Klarheit des Denkens bemüht ist, hält an den Unterschieden fest. Wer aber seine einmal gewonnenen Vorstellungen starr festhält, verliert die Weite und Tiefe des Werdens. Nur wer sich wandelt, bleibt mit dem Begriff verwandt. Nur wer sich mit dem Begriff wandelt und mit ihm in all seinen Abwandlungen durch die Reihe des Lebendigen geht, bleibt ihm treu. Aber wir müssen den Begriff auch loslassen, so wie der Taucher den festen Erdboden verlassen muss, auf dem er stehen kann, wenn er die Perlen aus der Tiefe holen will. Nur wenn wir, begriffsvergessen, in die Welt des Werdens, in die dunkle Willenswelt der Wahrnehmungen untertauchen, begegnen wir der Wirklichkeit. Der Begriff wird zum Auge, das in der Dunkelheit sieht, zur Hand, die die Muschel umschmiegt, zur Faust, die den unerleuchteten Tiefen ihr Geheimnis entreißt.
Licht der Vernunft
Gegenüber dem Licht des Verstandes erscheint die Vernunfteinsicht als höheres Licht in der relativen Finsternis des bloß unterscheidenden Denkens. Licht in Licht: Kaskaden von Licht, die sich durchdringen und auseinander hervorgehen. Im Licht, das aus Licht hervorgeht, steigt die Seele zum Geist auf, zu sich selbst. Die schäumenden Kaskaden begleiten die Seele, wenn sie eintaucht in den Leib und aus dessen Finsternis auf den Flügeln des Atems den Sternen entgegenschwebt. Die Bewegungen der Seele, sie rufen nicht nur Harmonien und Disharmonien in der Sphärenwelt hervor, deren Wellen den Astralozean des Kosmos bis an dessen Grenzen erschüttern. Jede Bewegung, jeder Ton ist auch ein Feuerwerk von Licht und Farben. Doch alles wird übertönt und überleuchtet durch das Tageslicht, so wie die Sonne, wenn sie aufgeht, das Licht der Sterne zum Erlöschen bringt, so wie der Gesang der Vögel und das Lärmen des anbrechenden Tagewerks den Sturm der Horen unhörbar macht. Nur wenn die Sonne sich verdunkelt kann das Licht sichtbar werden, das sie aussendet. So benötigen wir die Finsternis, um im Kontrast zu ihr das Licht zu erkennen, das sie zu verschlingen droht und das doch zugleich der Schoß allen Lichtes ist: die »Mutter Nacht«, wie Mephisto sagt, nicht der jüngste Spross dieses Schoßes.
Gang zu den Müttern
4.
Zuletzt war es die Romantik, in der sich das Bewusstsein von der Macht der Nacht verdichtete und die späten Abkömmlinge der Romantik Ende des 19. Jahrhunderts träumten noch von ihr. War es nicht Novalis, der sang:
»Hinunter in der Erde Schoß,
weg aus des Lichtes Reichen,
der Schmerzen Wut und wilder Stoß,
ist froher Abfahrt Zeichen?«
Drückte sich in E.T.A. Hoffmanns Interesse für die Elixiere des Teufels nicht dasselbe Wissen von der Ergänzungsbedürftigkeit des Lichtes durch die Finsternis aus, und das, was sie in sich birgt? Wonach sehnte sich Baudelaire in seinen Fleurs du Mal, wenn nicht nach den duftenden Blumen der Nacht, die durch das Licht der Sterne aufblühen? Wovon delirierte der frühe Nietzsche in seinem Hohelied auf Dionysos, wenn nicht von jener Ergänzung der abendländischen Kultur und Ratio durch die verdrängten Kräfte der Seele? Wunderbar auch die Zeilen von Mörike:
»Gelassen stieg die Nacht ans Land,
Lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Waage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn.«
Das Abendland hat photozentrische (phos = Licht) Jahrtausende hinter sich, in denen zugleich der starre Gegensatz von Gut und Böse die Einheit der Seele zerriss. Die Freiheit kennt aber keinen starren Gegensatz von Gut und Böse: Das Gute wie das Böse werden im individuellen Handeln generiert und was gut, was böse war, entscheidet der Weltzusammenhang. Ist es nicht an der Zeit, sich auf die Liebe der Mutter zu besinnen, die das Getrennte vereint und das Entzweite versöhnt? So bedürfte unsere Zeit um des weltgeschichtlichen Ausgleichs willen des Übergangs in eine neue skotozentrische (skotia=Finsternis) Epoche. Die Zeit des Eroberns ist vorüber: Die Stunde des Bewahrens ist angebrochen. Wer erbarmt sich des vom Vater verstoßenen Sohnes? Die Mutter, denn sie trägt die Liebe in sich und nicht den Zorn.