Im April gewinnt die Sonne schon deutlich mehr Kraft und die anfangs fast verhaltene Vegetation beginnt allerorten kräftig zu sprießen. Die Flur wird immer bunter, wenngleich wir auf richtig farbige Frühlingswiesen noch etwas warten müssen. Aber doch wirken die Blumen schon etwas »stolzer« als die allerersten Blüten, die noch mit Frost und Schnee gerungen haben.
Das aus dem Eis und Schnee geschmolzene Wasser, das nun viele Wiesen durchtränkt, an vielen Hängen in munteren Rinnsalen zu den tieferliegenden Bächen fließt, ist das Element der Sumpfdotterblume. Sie liebt feuchte, ja nasse Standorte; überflutete Wiesen oder die Umgebung von mäandernden Bächen sagen ihr besonders zu. Dort entfaltet sie nun ihre glänzend gelben Blütenschalen, die gerne von Insekten besucht werden. Kräftig, wässrig-saftig sind ihre hohlen Stengel, die bald aufrecht, bald liegend, bis zu 30 cm hohe Büschel bilden. Die ganze Pflanze zeigt ihre Vorliebe für Feuchtigkeit, für nährstoffreiche, feuchte Böden. Sie wirkt kräftig, wüchsig, fast etwas wuchernd aber immer eben wässrig-krautig. Die Sumpfdotterblume hat eine so innige Beziehung zum Wasser, dass sich nicht nur ihr Name darauf bezieht, sondern man kann sie sich auf trockenen Böden, unter der Julisonne, auch gar nicht vorstellen. Man sieht es ihr an, dass sie feuchte, nasse »Füße« braucht.
Wo es ihr behagt, ist sie meist häufig und sie verzaubert mit ihren nektarreichen, leuchtenden Blüten die Bachufer, die kleinen Quellen in den noch lichten Wäldern, nasse Wiesen und ganze Auenlandschaften. Zwar ist ihre Blüte nicht verschwenderisch, sondern sie hält sich mit dem dunkelgrünen Laub die Waage, aber doch ist die Farbe so intensiv, dass sie weithin leuchtet.
»Butterblume« lautet einer ihrer zahlreichen volkstümlichen Namen, wohl weil man mit ihren Blüten die Butter gelb gefärbt hat. Außerdem verwendete man ihre noch geschlossenen Blütenknospen als Ersatz für die südländischen Kapern. Wer allerdings einmal eine solche Knospe oder gar ein Blatt gekostet hat, wird dieser Verwendung eher skeptisch entgegenstehen. Die ganze Pflanze schmeckt scharf, fast ätzend, denn sie enthält Saponine und ein ähnliches Gift wie der Hahnenfuß, in dessen große Familie sich auch diese Pflanze einreiht.
Wer sich also einen Frühlingswildsalat bereiten möchte, der sollte auf die Sumpfdotterblume verzichten, da ihrem Verzehr Vergiftungserscheinungen folgen. In diesem Zusammenhang sei auch noch die Verwechslungsmöglichkeit der Blätter des Bärlauchs mit jenen des Maiglöckchens oder der Herbstzeitlose erwähnt. Der nur mäßig Kräuterkundige sollte beim Sammeln von Wildgemüse sehr sorgfältig sein, denn ein solcher Irrtum kann tödlich enden.
Bevor die Liebe durch den Magen geht, ist es oft sicherer, sich nur einmal visuell anzunähern. Und optisch bietet die Sumpfdotterblume sicherlich einen Leckerbissen, sozusagen die Vorspeise für ihre große Schwester, die Trollblume, die der Sumpfdotterblume auf den oftmals gleichen Wiesen in der Blütezeit folgt.