Leserforum


Batschkowo ist nicht einzigartig

Zum Beitrag »Die Vorbereiter des Christentums. Fresken im Batschkowo-Kloster in Bulgarien« von Thomas Göbel in Heft 12/98, S. 65 ff.

»Sancte Socrates, ora pro nobis« hat Erasmus gebetet und sich damit in die Tradition der Alten Kirche gestellt, die anerkennt, dass der Logos stellenweise vor- und außerhalb von Gottesvolk und Kirche aufgeleuchtet ist (logos spermatikós). Dieser Glaube hat Gestalt angenommen in der Legende, dass Sieben Weise in Athen zusammengekommen waren, um »die göttliche Menschwerdung und das Erscheinen Christi zu verkünden«. Ihr Bild mit erklärendem Schriftband ist in dem 1560 ausgemalten Exonarthex des Insel-Klosters von Ioannina zu finden.

(NW-Griechenland, s. den Reiseführer von S. Dakaris, To nisi ton Ioanninon, Athen 1971, S. 21 f., Abb. 10. Das Kloster heißt nach der Stifter-Familie Philanthropinos; die Maler waren zwei Brüder aus Theben [Böotien], Georgios und Frangos Kontaris.)

Dort sind Platon, Apollonios, Solon, Aristoteles, Plutarch und Thukydides versammelt. Damit haben wir schon drei der Weisen aus dem Batschkowo-Kloster. Auch dort sprechen sie mit Spruchbändern zum Betrachter, deren Entzifferung die Deutung des Freskos bringen wird. Sind es prophetische oder moralische Sprüche? Ich kann nur bei Aristophanes das Wort »Taufe« (baptisma) entziffern. Auch dieses Fresko ist wohl durch eine Legende inspiriert und nicht durch eine konkrete Kenntnis antiker Autoren, gar noch solcher, deren Werke nach 1623 verschollen wären. Selbst im umfangreichsten Handbuch der Antike, der Realenzyklopädie von Pauly-Wissowa, sind Thaomeres und Okiaros nicht aufzuspüren. Hingegen lässt sich wohl sagen, dass »Aristophanes« hier nicht der frivole Komödiendichter ist, sondern der gleichnamige alexandrinische Grammatiker (ca. 257-180 v. Chr.), dem ein Klassiker-Kanon zugeschrieben wird. »Kleomanes« ist wohl der hellenistische Philologe Kleomenes, »Kollege« des Apollonius (Rhodius) von Ioannina.

Guntram Beckel, Würzburg



Taste Zurück zum Inhaltsverzeichnis