
Jesaiah Ben Aharon
Die globale Situation am Ende des 20. Jahrhunderts
Das Auftauchen einer globalen dreigliedrigen Gesellschaft
»Wenn man die Erde aus der Entfernung des Mondes anschaut, ist es das Erstaunliche, was einem auch den Atem nimmt, dass sie lebt. Die Fotos zeigen die trockene, gehämmerte Oberfläche des Mondes im Vordergrund, tot wie ein alter Knochen. Darüber, frei schwebend über der feuchten, glitzernden Membrane eines strahlend blauen Himmels die aufsteigende Erde, das einzige seelenvolle Element in diesem Teil des Kosmos. Wenn du lange genug sehen könntest, würdest du das Wirbeln der großen Strömungen weißer Wolken sehen, bedeckend und aufdeckend die versteckten Landmassen. Wenn du eine sehr lange, geologische Zeit geschaut hättest, könntest du die Kontinente selber in Bewegung sehen, auseinandertreibend an ihren krustigen Platten, schwimmend gehalten durch das Feuer darunter. Sie hat den Ausdruck einer gestalteten, selbstbeherrschten, lebendigen Kreatur, voller Information, erstaunlich geschickt im Handhaben der Sonne.«
Lewis Thomas: The Lives of a Cell
Die globale Situation am Ende des 20. Jahrhunderts zeigt deutlich die Ergebnisse einer über hundertjährigen Vorherrschaft einer einseitigen ökonomischen Entwicklung des Westens/Nordens über grundlegende politische und zivilmenschliche Bedürfnisse im Westen selber und in der Welt als Ganzer.
Die Tendenz der modernen ökonomischen Entwicklung, über andere grundlegende Bedürfnisse der Gesellschaft zu herrschen, wurzelt in ihrer historischen Signatur, d.h. in ihrer wachsenden Emanzipation von ihren physiokratischen, theokratischen und klassengebundenen sozialen Kräften, an die sie gefesselt war bis in das 18./19. Jahrhundert. Diese Emanzipation ist jedoch nicht zufällig oder in sich selbst falsch; sie ist eine notwendige und voll gerechtfertigte Entwicklung, wenn sie angeschaut wird aus der Perspektive der allgemeinen Emanzipation und Individualisierung des menschlichen Bewusstseins im Laufe der Zeit. Als solche ist sie Teil einer treibenden Kraft, die die unabhängige menschliche Seele zu einem vollständigeren Verständnis und Gebrauch der Kräfte und Stoffe der physischen Welt führt.
Diese Entwicklung verläuft jedoch nicht ohne ihre Gefahren. Aber dürfen wir auf neue, bedeutende Entwicklungen in der menschlichen Evolution hoffen und gleichzeitig wünschen, von ihren möglichen Abirrungen und Risiken verschont zu bleiben? Augenscheinlich nicht, und im Fall der ausreifenden Weltwirtschaft ist dies heute offensichtlich der Fall. Zum Beispiel ist der Einfluss der globalen Wirtschaft auf das ökologische, planetarische System genau untersucht:
»Der globale Ausstoß von Waren und Dienstleistungen wuchs von knapp 5 Billionen US-Dollar im Jahr 1950 auf mehr als 29 Billionen US-Dollar im Jahr 1997, eine fast sechsfache Zunahme. Von 1990 bis 1997 wuchs er um 5 Billionen US-Dollar gleichkommend dem Wachstum vom Anfang der Zivilisation bis 1950
Während die Wirtschaft wächst, verstärkt sich der Druck auf die natürlichen Systeme und Resourcen der Erde. Von 1950 bis 1997 hat sich der Holzverbrauch verdreifacht, der des Papieres versechsfacht, der Fischfang wuchs fast um das Fünffache, der Getreideverbrauch hat sich fast verdreifacht, die Verbrennung fossilen Öles fast vervierfacht, und die Luft- und Wasserverschmutzer multiplizierten sich um ein Vielfaches. Die Wirtschaft fährt fort, sich auszuweiten, aber dass das Ökosystem, von dem sie abhängig ist, dies nicht tut, was eine sich steigernd gespannte Beziehung hervorbringt.
Während ökonomische Anzeiger wie Investition, Produktion und Handel durchweg auf positiv zeigen, zeigen die Schlüsselanzeiger der Umwelt stets immer negativer. Wälder schrumpfen, Wasserstände fallen, Böden erodieren, Feuchtgebiete verschwinden, Fischgründe brechen zusammen, Verbreitungsgebiete verfallen, Flüsse trocknen aus, Temperaturen steigen, Korallenriffe sterben, und Pflanzen- und Tierarten verschwinden.
»Wachstum um des Wachstums willen«, bemerkt der Umweltschriftsteller Edward Abbey, »ist die Ideologie der Krebszelle«. Genauso wie kontinuierlich wachsender Krebs seine ihn unterstützenden Systeme zerstört durch die Zerstörung seines Wirtes, zerstört eine kontinuierlich wachsende Wirtschaft langsam ihren Wirt das Ökosystem der Erde.«
The State of the World Report, 1998
Der Einfluss der globalen Wirtschaft auf die globale wirtschaftliche Situation, besonders die bei den meisten ökonomischen Parametern wachsende Polarisierung zwischen armen und reichen Regionen, Nationen und Bevölkerungen, ist alarmierend:
»Die Globalisierung bietet große Möglichkeiten aber nur, wenn sie vorsichtiger und mit mehr Rücksicht auf die globale Gleichheit gehandhabt wird.
Sich mit halsbrecherischer Geschwindigkeit vorwärts bewegend, aber ohne Landkarte oder Kompass, hat die Globalisierung geholfen, den Armutsanteil in einigen der größten und stärksten Ökonomien zu senken in China, Indien und einigen der asiatischen Tigerstaaten. Aber sie hat auch Verlierer zwischen und innerhalb der Länder hervorgebracht. In dem Maße, wie Handel und Auslandsinvestition expandierten, haben die Entwicklungsländer einen sich immer weiter öffnenden Spalt zwischen Gewinnern und Verlierern erlebt. Inzwischen haben viele Industrieländer gesehen, wie die Arbeitslosenrate bis in Höhen emporgeschnellt ist, wie sie seit den Dreißigerjahren nicht registriert wurden, und Einkommensungleichheiten haben Höhen erreicht, wie sie seit dem letzten Jahrhundert nicht mehr verzeichnet worden sind.
Das Verhältnis des globalen Handels zum Bruttosozialprodukt ist seit dem letzten Jahrzehnt gestiegen. Für 44 Entwicklungsländer aber, mit mehr als einer Milliarde Menschen, ist es gefallen. Die unterentwickeltsten Länder, mit 10 Prozent der Weltbevölkerung, haben nur 0,3 Prozent Anteil am Welthandel, die Hälfte ihres Anteiles zwei Jahrzehnte früher.
Der Tiefpunkt für Armut und Einkommen: Der Anteil der Ärmsten 20% der Weltbevölkerung am globalen Einkommen steht heute bei jämmerlichen 1,1%, gesunken von 1,4% im Jahr 1991 und 2,3% im Jahr 1960. Er schrumpft weiter. Und das Verhältnis des Einkommens der Top 20% zu dem der Ärmsten 20% stieg von 30:1 im Jahr 1960 auf 61:1 im Jahr 1991 auf ein erschreckendes neues Hoch von 78:1 im Jahr 1994.«
Human Development Report, 1997;
1998 und 1999 zeigt eine steigende Tendenz aller oben genannten Trends
Ein ausschlaggebender Grund für die fast unbegrenzte Macht der globalen Wirtschaft über Umwelt und Sozialinteressen liegt unzweifelhaft in der sich ausbreitenden Schwäche im Bereich der Gleichheit: die mittlere Sphäre des sozial-menschlichen Elementes, die ihr Bollwerk im Gleichheitsbewusstsein der Menschen haben muss und die ausgestaltet werden muss von den demokratischen Einrichtungen des politischen Staates, der für Gesetz und Sicherheit zu sorgen hat und die Menschenrechte garantieren soll:
»Der beunruhigendste Aspekt dieses globalen Systems ist, dass die gewaltige Macht und Mobilität der globalen Konzerne die Effektivität der nationalen Regierungen unterminiert, wesentliche politische Grundsätze im Auftrag ihrer Bevölkerungen durchzuführen. Die Führer von Nationalstaaten verlieren viel von der Kontrolle über ihr eigenes Territorium, die sie einst hatten
Steuergesetze, die für eine andere Zeit eingerichtet wurden, traditionelle Wege, den Kapitalfluss und die Zinssätze zu kontrollieren, Vollbeschäftigungspolitik und alte Verfahrensweisen der Rohstoffgewinnung und des Umweltschutzes werden überflüssig, nicht durchsetzbar oder irrelevant
Aber bis jetzt hat sich keine politische Ideologie oder ökonomische Theorie entwickelt, die diesen tektonischen Umschwung berücksichtigt, der geschehen ist
Überall steht der Nationalstaat einer Krise der Selbstdefinition gegenüber ohne eine praktische Ideologie, die sich mit den Realitäten der auftauchenden globalen Ordnung konfrontiert
Die Nationalökonomien werden immer mehr miteinander verflochten, Nationen brechen auf unterschiedlichste Weise auseinander, und keine alternative Gemeinschaft ist bis jetzt am Horizont aufgetaucht.«
Barnet und Cavanagh, 1995
Haben Barnet und Cavanagh vollkommen Recht in der Annahme, dass »sich bis jetzt keine politische Ideologie oder ökonomische Theorie entwickelt hat, die diesen tektonischen Umschwung berücksichtigt, der geschehen ist« und dass »keine alternative Gemeinschaft bis jetzt am Horizont ist«? Ich behaupte, dass sie tatsächlich Recht haben, wo sie auf die Tatsache verweisen, dass keine neue politische Ideologie oder ökonomische Theorie aufgetreten ist, aber dass sie falsch liegen, wo sie nicht bemerken, dass eine »alternative Gemeinschaft«, als eine sozial-historische Tatsache, im Entstehen ist. Aber dies bedeutet nur, dass unsere politisch-sozialen und ökonomischen Ideologien und Theorien wieder einmal hinterherhinken, und dass sich eine bedeutende soziale Evolution im Verlauf des 20. Jahrhunderts vollzieht, die eine neue soziale Realität hervorbringt.
Die Zivilgesellschaft wird mündig
Dieser neueste soziale Umschwung ist nur eine weitere Stufe in einem kontinuierlichen Prozess sozialer Emanzipation. Wie die neuen ökonomischen Kräfte sich emanzipierten und mit dem Anbrechen des Zeitalters des Imperialismus, Kapitalismus und wissenschaftlich industriellen Fortschritts selbstbewusst wurden, und wie seit der französischen und der amerikanischen Revolution ein demokratischer Staat zu dem Ort wurde, an dem das Menschenrechtsbewusstsein zum Selbstbewusstsein erwachte, so beginnt heute, jenseits von Wirtschaft und Staat, eine neue soziale Kraft sich ihrer selbst bewusst zu werden: Das ist der Sektor einer neuen Zivilgesellschaft, in der die Kräfte moralischer Freiheit und der freien Verantwortlichkeit für die Erde, der Menschenrechte und der freien Kultur in Erscheinung treten.
Der Verfall des Staates und seiner Macht, die Umwelt und die Menschenrechte zu schützen, ist aus dessen eigenen Kräften heraus nicht rückgängig zu machen. Beide, Menschenrechtsbewusstsein und Ökonomie, brauchen den frischen Zufluss von Kräften aus einer neuen Quelle, die nur in der moralisch-spirituellen Motivation freier menschlicher Seelen und Geister bestehen kann. Das bedeutet, dass die Möglichkeit für die wahrhaftige soziale Transformation in der geistigen Wiederbelebung der ersten beiden sozialen Sektoren mittels der neuen und jüngeren Kräfte eines dritten Sektors liegt: der entstehende globale, soziale Sektor freier, ziviler Initiative und Wirksamkeit.
Nur mittels freier, unabhängiger Moral, sozialer Verantwortlichkeit und Wirksamkeit, die danach streben, die Handhabung wirtschaftlicher Unternehmung zu beeinflussen und das Menschenrechtsbewusstsein wieder zu erwecken, kann eine neue Beziehung zwischen den in gleicher Weise gerechtfertigten Bedürfnissen von »Kapitalismus« und »Sozialismus« eingerichtet werden. Der mittlere Sektor, zuständig für Gesetz und Menschenrechte, der die wahre Sphäre des demokratischen Staates ist, und der ökonomische Sektor, der Produktion, Handel und Verbrauch von Waren verwaltet, können nur wiedergewonnen werden durch die ganze menschliche Individualität und durch die Interessen einer Gesellschaft als Ganzer, wenn sie vermittelt und durchdrungen werden durch den neuen dritten Sektor. Eine reifere und ausgearbeitetere dreiteilige Sozialstruktur zeigt sich, um die alte und erschöpfte zweiteilige Struktur zu ersetzen, die dem durch ökonomische Globalisierung, durch ökologische, menschliche und kulturelle Degeneration entstandenen neuen Dilemma nicht gerecht werden kann.
Dies ist der Hauptunterschied zwischen einem dreigliedrigen sozialen Konzept der Gesellschaft und dem traditionellen zweiteiligen. Doch sehen wir, dass die meisten Kritiker der Globalisierung, obwohl sie sich der oben erwähnten jüngsten Schwächung des Staates bewusst sind, wenn sie herausgefordert werden, von der Kritik zu wirklich neuen und kreativen sozialen Alternativen vorzudringen, keine besseren Vorschläge vorzuweisen haben als wiederum den Ruf nach stärkerer staatlicher Intervention. Und dies mehr oder weniger in den etablierten sozialistischen, oder sozial-demokratischen politischen Traditionen der letzten hundert Jahre.
Das historische Paradoxon ist offensichtlich. Während die meisten sozial-aktiven NGOs1 und Individuen Repräsentanten eines neuauftauchenden »dritten Sektors« der Gesellschaft sind, d.h. der Zivilgesellschaft selbst, haben viele von ihnen noch nicht erkannt und sind sich nicht bewusst, welche Bedeutung es hat, dass sie selbst schon ihren eigenen neuen sozialen Sektor bilden. In den meisten Fällen schauen sie immer noch zurück auf den politischen Sektor, verkörpert durch den Staat, als der Antwort auf alle Schwierigkeiten. Obwohl wir immer wieder erlebt haben: Wenn diese Aktivisten schließlich gewählt sind, werden sie Teil der alten, zweiteiligen Sozialstruktur »Wirtschaft gegen Staat«. Und in den meisten Fällen erkennen sie auch, dass sie gezwungen werden, dieselben alten Kompromisse und Fehler zu wiederholen, weil sie keine neuen, kreativen sozialen Lösungen haben für den uralten, ungelösten Zwiespalt und Kampf zwischen »Kapitalismus« und »Sozialismus«.
Jedoch, der dritte Sektor oder das soziale Glied ist dabei, immer einflussreicher zu werden. Er offenbart sich durch viele NGOs und aktive Individuen in der ganzen Welt gerade deshalb, weil er das Prinzip der Freiheit repräsentiert: Freie zivile, soziale moralisch-spirituelle Verantwortlichkeit manifestiert sich selbst als eine neue soziale Initiative, die von Staat/Regierung und Ökonomie/Wirtschaft unterschieden werden muss. Die Bedeutung dieses dritten Sektors wird bereits auch schon von der Sozialwissenschaft verstanden, die beginnt, die Existenz eines dritten Gliedes des sozialen Lebens zu erkennen, neben dem ökonomischen und politischen:
»Wir verstehen die Zivilgesellschaft als eine Sphäre sozialer Interaktion zwischen Wirtschaft und Staat, zuallererst bestehend aus der intimen Sphäre
, der Sphäre der Assoziationen
, sozialen Bewegungen und Formen öffentlicher Kommunikation. Die moderne Zivilgesellschaft wird geschaffen durch Formen der Selbstkonstitution und Selbstmobilisation.«
Cohen Aarato, 1997
Dieses Zitat enthüllt eine wachsende Bereitschaft auf Seiten der Sozialwissenschaft, die Existenz einer »Dreigliedrigkeit« anzuerkennen, einer trilateralen Struktur der »Arbeitsteilung« innerhalb des Sozialkörpers. Aber nicht nur eine theoretische Veränderung ist im Gange, sondern eine reale soziale Veränderung passiert. Der machtvolle Einschlag eines selbstsicheren und selbstbewussteren dritten Sektors der Zivilgesellschaft hat bereits einen Durchbruch bewirkt in zentraler, globaler Ökonomie und Handelspolitik, besonders in Bezug auf die kürzlich stattgefundenen Verhandlungen über das »Multilateral Agreement on Investment« (MAI). Tatsächlich war ihr Einschlag so mächtig, dass führende Zirkel des amerikanischen finanzpolitischen Establishments dessen Aktivitäten berücksichtigen mussten. Indem sie dies taten, demonstrierten sie ihre gute, etablierte historische und soziale Wachheit gegenüber auftauchenden Trends im spirituellen, kulturellen Leben der modernen Menschheit. In ihren Studien und sofortigen Anstrengungen, die auftauchende Zivilgesellschaft und deren Organisationen zu kooptieren, waren sie absolut auf der Höhe der Zeit der gegenwärtigen sozialen Angelegenheiten. Sie verstanden das, was sie eine sozialpolitische »Machtverschiebung« globalen Ausmaßes nannten. Sie waren damit den meisten Anthroposophen weit voraus, und auch mit der beachtenswerten Ausnahme des Organisators der Philippine Agenda 21 (unten dargestellt) der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft selbst.
Der Machtwechsel
In einem gleichnamigen Artikel der Ausgabe Januar/Februar 1997 von Foreign Affairs schrieb Jessica D. Mathews, ein führendes, ranghöheres Mitglied des »Council On Foreign Relations«:
»Das Ende des kalten Krieges hat
eine überraschende Neuverteilung der Macht zwischen Staaten, Markt, und der Zivilgesellschaft gebracht.« Non Governmental Organisations, die treibenden Kräfte der Zivilgesellschaft, »liefern mehr offizielle Entwicklungshilfe als das ganze UN-System. In vielen Ländern leisten sie die Dienste in städtischer und ländlicher Gemeinwesenentwicklung, Erziehung und Gesundheitswesen , die schwankende Regierungen nicht länger lenken können
Die NGOs sind zunehmend in der Lage, sogar die größten Regierungen herumzustoßen.«
Mathews weist auf den genauen Zeitpunkt hin, von dem sie glaubt, dass an ihm die Zivilgesellschaft durch ihre NGOs unwiderruflich der Machtstruktur der globalen Gesellschaft beigetreten ist. Dies geschah bei dem Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992:
»NGOs gaben das zentrale Verhandlungsziel einer Vereinbarung vor, die Treibhausgase zu kontrollieren, lange bevor Regierungen dazu bereit waren. Sie schlugen den größten Teil von deren Struktur und Inhalt vor. Und durch Lobbyarbeit und die Mobilisierung von öffentlichem Druck setzten sie dann einen Vertrag durch, an dessen Möglichkeit praktisch niemand gedacht hatte, als die Verhandlungen begannen
Als ein Ergebnis vollendeten die Delegierten das Rahmenwerk für ein globales Klimaabkommen innerhalb der für Diplomaten unvorstellbar kurzen Zeit von 16 Monaten gegen den Widerstand der drei Energiesupermächte, den Vereinigten Staaten, Russland und Saudi Arabien. Der Vertrag trat in der Rekordzeit von zwei Jahren in Kraft
mit potentiell enormen Implikationen für jede Wirtschaft.«
Das Abkommen konnte in seiner ursprünglichen und drakonischen Form verhindert werden
Eine sogar noch bemerkenswertere erfolgreiche Kampagne der NGOs in den Jahren 1996 bis 1998 führte zur Offenlegung der größtenteils geheimen Verhandlungen der führenden Weltfinanzinstitutionen und Konzerne, ein Multilateral Agreement on Investment (MAI) zu erreichen. Diese große Schlacht fand weit entfernt sowohl von der kommerziellen als auch der sogenannten »Freien Presse« statt, und fand nur Ausdruck in sehr seltenen und verspäteten Meldungen. Nur durch das Einklinken in die riesige Internetmobilisation, in der buchstäblich hunderte und tausende NGOs aktiv kooperierten und diese Kampagne dirigierten, konnte man eine Ahnung bekommen von der Ungeheuerlichkeit der Bestrebungen und Gegenbestrebungen, die unternommen wurden. Das zweitwichtigste Sprachrohr des amerikano-englischen Establishments, Foreign Policy, widmete dem neuen Phänomen eine spezielle Studie in seiner Herbstausgabe 1998 unter dem Titel »Globaler Einschlag NGOs auf dem Schlachtfeld«.
»Werden Sie Zeuge des Sieges, den die NGOs kürzlich erkämpften« schrieb dessen Herausgeber, »als sie die Anstrengungen der Organisation für ökonomische Kooperation und Entwicklung (OECD) matt setzten, bestehend aus einer Gruppe der 29 weltweit wichtigsten Industrienationen, die das MAI aufsetzen wollten, einen Vertrag, der gemeinsame Maßstäbe für die Behandlung ausländischer Investitionen durch die Gastländer setzen sollte
Hunderte NGOs aller Sparten, Größen, Nationen und Interessen vereinigten sich gegen das MAI, indem sie einen der wichtigsten Antreiber der Globalisierung benutzten, das Internet, um eine Initiative entgleisen zu lassen, die entworfen worden war, um eine andere der mächtigsten Kräfte der Globalisierung zu unterstützen, die Auslandsinvestition.«
In einer positiver gehaltenen Mitteilung im International Herald Tribune lesen wir:
»Sie (die NGOs) werden als der dritte Sektor bezeichnet, neben dem Staat und dem privaten Sektor. Sie bieten einen neuen Kanal, um beides zu versorgen, sowohl die soziale Verantwortlichkeit als auch den demokratischen Ansatz, bei denen bisher stets Regierung oder Handel immer dominiert hatten
Sie stellen eine energische Kraft dar, in der Handhabung internationaler Beziehungen und der Verbreitung der Zivilgesellschaft über die Grenzen hinweg.«
Wir sehen hier, dass dasjenige, was wir oben als das wachsende Bewusstsein einer »dritten Perspektive« der sozialen Fragen beschrieben haben, dabei ist, Boden zu gewinnen:
»Da gibt es Dinge, die getan werden müssen, die die Regierungen weder tun können noch tun wollen, und Dinge, die sie tun sollten, die jedoch von den spontanen, aber organisierten NGOs erreicht werden können
Die NGOs sind entstanden, diese Lücke zu füllen. Einerseits verhindern sie große Machtkonzentration, anderseits unterstützen sie die Vereinigung von Macht auf spezifische Probleme.«
IHT, 16./17.1.1999
In ihrer Antrittsrede als gewählter »Carnegie Endowment President« (Washington D.C. 15. 6. 1997), drückte Mathews die Sorge in deutlicher Weise aus, dass die »Machtverschiebung in globalen Fragen den Einfluss des amerikano-englischen Establishments auf die globalen Machtstrukturen schwächen könnte.« Sie führte aus, dass es wesentlich ist, zu »verstehen, was die NGOs in der heutigen Zeit tun können, weil auch hier der Boden unter unseren Füßen dramatisch in Bewegung gekommen ist«.
In der Tat, der Boden unter unseren Füßen ist dramatisch in Bewegung. Können wir auf ein gleiches Bewusstsein und eine gleiche Handlungsbereitschaft innerhalb der anthroposophischen Bewegung hinweisen? Die Tatsache, dass wir das tun können, verdanken wir den jahrelangen Anstrengungen von Nicanor Perlas und seinen Mitarbeitern auf den Philippinen.
Philippine Agenda 21
Die folgende Passage aus einem Interview vom 5. 9. 1996 mit dem Wirtschaftswissenschaftler und Schriftsteller David Korten, Autor des Buches When Corporations rule the World, gegeben am Tag nach dem erfolgreichen Abschluss einer wichtigen nationalen NGO-Konferenz. Diese hatte er einberufen unter der Co-Schirmherrschaft von sechs bedeutenden NGO-Netzwerken zum Thema Die Zivilgesellschaft: Schöpferische Antworten auf die Herausforderung der Globalisierung. Dieses Interview wirft ein Licht auf die wirklich bemerkenswerte, aber bis heute viel zu lange unbekannt gebliebene anthroposophische und zivile Karriere von Nicanor Perlas.2
Korten: Als ich die Philippinen 1992 verließ, schienst du ganz darauf orientiert, nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen. Dein gegenwärtiger Schwerpunkt auf ökonomische Globalisierung scheint ein ziemlicher Umschwung zu sein. Was ist passiert?
Perlas: Alles begann mit meiner Teilnahme an einer Konferenz über Biotechnologie und Nachhaltige Landwirtschaft im Juni 1993 in Malaysia. Damals wurde ich zum ersten Mal bekannt mit dem »General Agreement on Tariffs and Trade« (GATT), einschließlich dessen Bestimmungen über die Steigerung toxischer Rückstände, die in der Nahrung für menschlichen Konsum erlaubt werden sollten, bis zu einer Höhe, der erfolgreich den Schutz durch die Verbote für den Gebrauch toxischer Pestizide auslöschen würde, für den ich zwanzig Jahre meines Lebens hingegeben hatte. Es gab dort auch Diskussionen über die GATT-Bestimmungen zu Patentrechten, die die Kontrolle der Konzerne über den Ernährungssektor festschreiben sollten, durch die Schaffung einer Abhängigkeit der Landwirte von patentiertem Saatgut.
Ich war so betroffen, dass ich die meiste Zeit des folgenden Jahres damit verbrachte, dieses Abkommen zu studieren und seine verschiedenen Implikationen zu untersuchen. Aber erst als ich das ganze Dokument durchgearbeitet hatte, begann ich dessen volle Auswirkung zu erkennen. Es würde die Arbeit von praktisch jeder Gruppe der Zivilgesellschaft auf den Philippinen untergraben: die Kirche, Frauen, Coops, Fischer, Landwirte, Arbeiterschaft, jede. Der Schaden für unsere Wirtschaft und unser Sozialsystem dürfte wohl unumkehrbar sein. Im August 1994 begann ich eine fünfmonatige Anstrengung, den philippinischen Senat davon zu überzeugen, die Unterschrift unter das GATT-Abkommen zu verweigern. Während des Jahres 1995 befand ich mich dann mit einigen wenigen anderen im Zentrum der GATT-Diskussion auf den Philippinen.
Dies ist nur ein kleiner Aspekt des Hintergrundes, der zu dem zivilen Kampf führte, welcher in der oben erwähnten Konferenz von 1996 über die Zivilgesellschaft kulminierte: kreative Antworten auf die Herausforderung der Globalisierung zu finden. Tatsächlich war es diese Konferenz, die die menschlichen, zivilen und geistigen Bande stählte, die die Philippine Agenda 21 möglich machte.
Welche Bedeutung die Philippine Agenda 21 für die Politik der Philippinen erlangte, verdeutlicht ein Rede, die der frühere philippinische Präsident Fidel. V. Ramos am 26. September 1996 hielt, in der er den öffentlichen Stapellauf der Philippine Agenda 21 ankündigte (alle folgenden Zitate stammen aus dem Buch Philippine Agenda 21 Handbook von Nicanor Perlas, herausgegeben in Zusammenarbeit mit Damon Lynch, Jim Sharman und Divina Hey-Gonzales):
»In meiner letzten Rede zur Lage der Nation vom 22. Juli 1996, bemerkte ich, dass wir nicht beabsichtigen, jetzt zu wachsen und später aufzuräumen. Aber missverstehen Sie mich nicht. Die vielen Anforderungen von Entwicklung vorausgesetzt, bezieht sich dieses später aufräumen nicht nur auf die Wirtschaft und die Umwelt. Es bedeutet auch, dass wir alle anderen Facetten des philippinischen Lebens in Ordnung bringen werden, einschließlich unserer Politik und unserer Kultur. (
) Wenn ich sage, dass wir aufräumen in Bezug auf unsere Kultur, beabsichtigen wir z.B., zu wachsen und uns zu entwickeln mit unserer intakten Spiritualität und unseren intakten, gediegenen Filipino-Werten. Ich will nicht, dass Filipinos einem materialistischen, konsumorientierten Lebensstil nachgehen. Ich wünsche nicht, unsere weltweit anerkannte Filipino-Spiritualität und soziale Sensibilität auf dem Altar des wirtschaftlichen Fortschrittes geopfert zu sehen. (
)
Aufzuräumen, während wir im Bereich der Kultur wachsen, bedeutet für mich, Filipino-Kreativität, Werte, Talente und Fähigkeiten nutzbar zu machen, um ein neues Entwicklungsmodell hervorzubringen, eines, dass nicht nur demokratisches ist, umweltfreundlich und kostensparend, sondern eines, dass sowohl das Pulsieren unserer verschiedenen Kulturen feiert als auch das ungeheuere Potential, das jedem Einzelnen von uns innewohnt, respektiert und entwickelt. Dies ist es doch schließlich, was das Wesen von maka-Diyos, maka-tao, maka-kalikasan und maka-bayan im wirklichen Sinne bedeuten.«
Dieses ist nicht der Ort, den höchst dramatischen, mutigen und tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes grundlegenden Prozess wiederzugeben, durch den eine starke, vereinigte Front philippinischer NGOs, die eine vitale und populäre bürgerliche Gesellschaft repräsentieren, die unter der Führerschaft von Nicanor Perlas und seinen Mitarbeitern erfolgreich war, indem sie eine eigentlich zurückhaltende Regierung und eine widerstrebende Geschäftswelt dazu brachte, sich über das PA 21 zu verständigen und es dann zu beschließen. Aber dieses höchste Strukturdokument der philippinischen Regierung, unterschrieben und in Kraft gesetzt durch präsidialen Erlass, handelt nicht nur über ein dreigliedriges soziales Ordnungs-Konzept, sondern es ist entstanden durch einen intensiven, dreigliedrigen sozialen Prozess. Ein Prozess, in dem zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte Repräsentanten des »dritten Sektors«, der Zivilgesellschaft, einen gleichwertigen sozialen Status erreichten, indem sie am Verhandlungstisch saßen mit der Regierung (Politik) und der Geschäftswelt (dem ökonomischen Sektor), und damit eine dreigliedrige Wirklichkeit schon im Verhandlungsprozess zustande brachten.
In den Worten von Präsident Ramos:
»Wirtschaftswachstum, entfesselter Kapitalismus, sie wurden auch begleitet von anderen Formen, weniger wünschenswerten Formen des Wachstums. Das »United Nations Development Program« (UNDP) erinnert uns daran, dass, wenn wir nicht vorsichtig sind, Wirtschaftswachstum zu arbeitslosem, rücksichtslosem, sprachlosem, wurzellosem und zukunftslosem Wachstum führen kann. (
) Das wachsende Bewusstsein, dass Wirtschaftswachstum nicht ein Zweck, nicht ein Ziel in sich selbst ist, hat die meisten Länder der Welt heute dahingehend beeinflusst, sich nach einer anderen Entwicklung zu sehnen, eine, die die brauchbaren Eigenschaften des Kapitalismus beibehält, ohne Opfer seiner Exzesse zu werden. (
) »Die »Philippine Agenda 21« fasst eine bessere Lebensqualität für alle ins Auge durch die Entwicklung einer gerechten, moralischen, kreativen, vielfältigen und doch zusammenhaltenden Gesellschaft, die sich auszeichnet durch angemessene Produktivität, demokratische und zur Mitwirkung einladende Prozesse, und ein Leben in Harmonie innerhalb der Grenzen der tragenden Möglichkeiten der Natur und der Integrität der Schöpfung.«
Ramos hat bei einer Anzahl von Gelegenheiten deutlich gemacht, dass die Philippine Agenda 21 das höchste Dokument ist unter den verschiedenen politischen Rahmenwerken und Sozialplänen. In »Memorandum Order 399« verfügt er, dass »alle Regierungsbehörden, -abteilungen und -mittel (
) die Prinzipen und Handlungsanweisungen, die in der »Philippine Agenda 21« enthalten sind, in ihren verschiedenen Arbeitsplänen, Programmen und Projekten zu übernehmen und anzuwenden haben, und von ihren Fortschritten und Wirkungen zu berichten haben
«
Höchst bedeutsam ist auch die präsidiale Erklärung, gegeben am Vorabend des APEC-Führertreffens (APEC = Asian Pacific Economic Cooperation) und vor dessen internationalem Hintergrund. In seiner APEC, Zivilgesellschaft und nachhaltige Entwicklung betitelten Rede, versicherte Ramos einer internationalen Zivilgesellschaftsdelegation, dass der »Philippine Individual Action Plan für Handel und Investitionsliberalisierung und Förderung in der APEC« von der PA 21 gesteuert wird.
Schließlich sagte der Ramos in seiner Rede PA 21: Towards Sustainable Development das Folgende, das zu hören und zu verstehen für anthroposophisch orientierte Menschen besonders wichtig sein muss:
»
Philippine Agenda 21 ist eines der konsultativsten politischen Dokumente, die in der Geschichte unserer Nation produziert wurden
Dies ist ein Dokument, das die zukünftige Führung unseres Landes sich zu Herzen nehmen muss als Ausdruck einer Grundbeschreibung und eines aufrichtigen Mandates der großen Mehrheit der Filipinos für nachhaltige Entwicklung.«3
Soziale Aufgabe für die anthroposophische Bewegung
Die große Leistung auf den Philippinen besteht darin, dass zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte ein wirklich »drei-gliedriger« sozialer Vorgang stattgefunden hat, der die wesentlichsten nationalen Interessen umfasst. Dieser Vorgang konnte den ganzen Bereich sozialer Themen in einer ausgewogenen und angemessenen Weise berücksichtigen. In der heutigen kapitalistischen Gesellschaft haben normalerweise wirtschaftliche und finanzielle Interessen die Macht, sowohl in sozial-politischen Fragen (wie bei Gesetzen und Menschenrechten) als auch in kulturell-geistigen Fragen (wie beispielsweise bei Erziehung, Wissenschaft oder Moral) Einfluss zu nehmen, manchmal sogar zu entscheiden. Mit der PA 21 gab sich die philippinische Gesellschaft eine soziale Struktur, in der sich ein dreigliedriger Dialog entfalten kann, der die drei grundlegenden Interessen der Gesellschaft zur Geltung bringt: die ökonomischen, die politischen und die kulturellen. Durch sie können die drei Sektoren eine objektivere, nationale und soziale Übereinstimmung entwickeln, um über die gemeinsamen Ziele der philippinischen Gesellschaft zu entscheiden, über die Werte, die sie leiten, und über die grundlegende soziale Strategie, wie diese erreicht werden sollen.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass ein Anthroposoph, Nicanor Perlas, die Schlüsselrolle bei der Konzeption und jetzt bei der praktischen Anwendung der PA 21 spielte. Können wir etwas Allgemeinmenschliches aus seinen Erfahrungen lernen? Ganz gewiss ist der sozial-politische Vorgang, der die PA 21 hervorgebracht hat, einmalig und kann nicht verallgemeinert werden. Er hat sich entwickelt als Teil einer konkreten und ganz spezifischen, sozialen, kulturellen und politischen Situation auf den Philippinen. Diese Situation ist national und lokal bestimmt. Aber es sind nicht die speziellen äußeren Formen, die der dreigliedrige soziale Impuls auf den Philippinen angenommen hat, um deren Imitation wir uns bemühen sollten. Es ist die innere Essenz des geistig-anthroposophischen Vorganges, der für von uns alle von großem Wert sein kann. Ich meine besonders den sicheren, unmittelbaren Zugang zur moralischen Intuition als der Substanz des Begriffes »dreigliedrige soziale Ordnung«, dessen imaginativer, lebendiger und kreativer Anpassung an die Fähigkeiten und Talente des nationalen Volksgeistes, und die praktischen, moralisch-technischen Fertigkeiten bei seiner sozialen und politischen Realisierung. Diese Vorgänge sind allgemein-menschlich bedeutsam. Sie können als ein anregendes, stärkendes Beispiel dienen für jene Anthroposophen, die sich bemühen, unter ganz anderen Bedingungen die dreigliedrige soziale Ordnung zu verwirklichen.
Aber sind wir aufrichtig bestrebt, die Dreigliederung in der größeren sozialen Welt zur Realität zu bringen? Und streben wir wirklich danach, einen solchen lebendigen sozialen Körper für die anthroposophischen Institutionen und Organisationen zu schaffen? Nur in dem Umfang, wie wir dies tun, ist unser Gefühl gerechtfertigt, in Übereinstimmung mit den geistigen Zielen des Michael-Zeitalters zu arbeiten. Wie Rudolf Steiner oft betonte, kann die Michael-Inspiration nur dort arbeiten, wo geistig-mutige Menschen arbeiten. Und wo diese Inspiration als eine lebendige Kraft arbeitet, ist auch die Idee der sozialen Dreigliederung lebendig und aktiv auf natürliche, nicht auf theoretische Weise. Denn wo der Zeitgeist Michael tatsächlich wirksam ist, und wo die menschliche »soziale Seele« in Zusammenhang mit dieser Wirksamkeit schöpferisch ist, dort muss ein »sozialer Körper« auf so natürliche Weise entstehen, wie jeder menschliche Körper sich entwickelt, um eine inkarnierende menschliche Seele und einen inkarnierenden menschlichen Geist zu empfangen. Um auf der Erde wirksam sein zu können, muss der Michael-Impuls einen passenden sozialen Körper finden. Und dieser kann nur ein dreigliedriger sozialer Körper sein, sei es in der menschlichen Gesellschaft als Ganzer oder in individuellen Organisationen und Institutionen.
Der soziale Körper muss ein dreigliedriger sein, wenn sich ein lebendiger Geist verkörpern und in einem Körper auf gesunde Weise leben soll. Der dreigegliederte soziale Organismus ist der soziale Körper Michaels.
|
|
|
|
Manila-Konferenz 1998, Göteborg-Konferenz vom 29. 12. 1999 bis 3. 1. 2000
und Kapstadt-Konferenz Januar/Februar 2001
Im Oktober 1998 trafen sich engagierte Anthroposophen aus aller Welt in Tagaytay City in der Nachbarschaft von Manila City zu einer Konferenz Shaping teh Future: Globalization, Anthroposopy an the Threefold Social Order. Sie wurde von der Anthroposophsichen Gruppe auf den Philippinen organisiert, unterstützt von den Anthroposophischen Gesellschaften der asiatisch-pazifischen Region. Die Konferenz von Manila soll ihre Fortsetzung finden: in einer Nordkonferenz in Göteborg/Schweden und einer Südkonferenz in Kapstadt/Südafrika. Diese beiden Veranstaltungen sollen einander ergänzen. Die erste strebt danach, die Suche für neue Ansätze nach der esoterischen, vertikalen Arbeit zu betonen, um das horizontale, global-ökonomische, soziale und zivile Engagement zu unterstützen. Die zweite soll die horizontalen Dimensionen der Globalisierung und die geistig-moralischen Farbe Qualitäten, die in der globalen zivilen Gesellschaft überall heraufkommen, erforschen. Informationen für Interessenten bei:
Anthroposophical Society Gothenburg, Birgatan 10C, S-4156 Gotheburg, Fax 46-31 84 69 41.
|
|
|
|
|