Natur & Umwelt




Februar: Haselnuss

Noch ruht – scheinbar – die Vegetation. Die Wiesen sind mit Schnee bedeckt und die Gewässer liegen still unter dem Eis. Und dennoch steigt – langsam und etwas zaghaft wie auch der Lauf der Sonne – schon der Saft in den Bäumen und Sträuchern.


Wenn die Welt draußen auch noch froststarr und mineralisch-kristallin erscheint, so entzündet sich doch schon der Funken einer wärmenden und schließlich grünenden Kraft. Das noch junge Jahr wird langsam beweglich und fließend; ganz zart kündigt sich das Erwachen des Frühlings an.

Die Hasel gehört dabei zu den Sträuchern, an denen man diese Rückkehr des Lebens besonders beobachten kann. Der Haselnussstrauch steht gerne in der Umgebung menschlicher Ansiedlungen, er ist weniger ein Wildstrauch als ein Kulturfolger. Mag sein, dass man mit der Hasel, deren Gerten sich recht leicht bewurzeln, früher die ersten Gärten umsteckt hat, dass man die eine Ansiedlung umfriedenden Haine neben der Hainbuche auch mit Haseln bepflanzte, jedenfalls findet man Haselsträucher heute eher am Dorfrand als im Wald.

Und so ist dieser Busch meist ohne große Wanderungen zu erreichen. Er steht nun noch kahl, so wie er seit dem Herbst steht, als er sein annähernd rundes, leicht gesägtes Laub verlor. Ganz typisch zeigt er seine geraden, schlanken und elastischen Stämmchen, die er besonders treibt, wenn er scharf zurückgeschnitten – auf Stock gesetzt – wird. Bei den Kindern war dieses Holz immer sehr begehrt, ließ es sich doch für das Spiel vielfältig verwenden: die dünneren Äste als Reit- und Angelgerten und für Pfeile, die dickeren für Bögen und Speere, für Lanzen und Schwerter, als Stiele für Kescher und anderes häufig und dringend benötigtes Werkzeug.

Nun sieht man eben die Silhouette des Strauches. Und wenn man einmal genauer hinblickt: An den Zweigenden hängen schon die männlichen Blüten, diese kleinen »Würstchen«, aus denen an schönen Tagen der gelbe Pollen stäubt, und an denen ganz vorwitzige Bienen auch schon »höseln«.

Diese Blüten, zwar unscheinbar wie bei den meisten Bäumen und Sträuchern, hinterlassen einen interessanten Eindruck, wenn sie noch mit Schnee und Reif bedeckt sind. Sie zeigen eben das Erwachen der Vegetation, wenn alles noch kahl und tot erscheint. Die Blätter entfalten sich erst später, sie treiben aus, wenn die Narzissen blühen und der Frühling »richtig« Einzug hält.

Der Haselnussstrauch war seit alters her ein Symbol für Fruchtbarkeit. Er stand im Lebensgang des Menschen für den Zeitraum von Zeugung und Kindheit. Die herrlich sprießende Birke mit ihren elastischen und wehenden Zweigen repräsentierte die Jugend und die Erle dann das gereifte Alter mit der leise nahenden Ahnung des Todes. Alle drei werden botanisch den Betulacaeen, der Familie der Birkengewächse zugeordnet.

Der Haselstrauch fehlte wie der Holunder in keinem Hausgarten. Und gibt es im Herbst viele Nüsse, so gibt es im nächsten Jahr viele Kinder, das wusste der Volksmund. Haselkätzchen mischte man mit den Holunderblüten zu einem schweißtreibenden Tee. Vielleicht sollte man heute, in Zeiten der Renten- und Gesundheitsreformen, der Hasel wieder mehr Beachtung schenken: den Nüssen, weil es für eine gesicherte Altersversorgung womöglich wieder wichtig wird, viele eigene Kinder und Enkel zu haben und den Blüten bei beginnendem Schnupfen …

Martin Sinzinger

Naturkundliche Exkursionen, Kurse für Naturfotografie in der
»Schule für Naturbegegnung« Martin Sinzinger, Stadtgartl 1,
84529 Tittmoning, Tel. /Fax 08683/1679.



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