Ausgabe 01/2000

Inhalt

Nachruf Klaus B. Harms

Leserforum



Brennpunkte

Die Holzmann-Krise. Ein Lehrstück
(Erhard Fucke)



Thema

Wegmarken in
der Biographie




Von der Mauer zum Weg. Das Labyrinth
als Bild der Wandlung

(Lothar Bracht)

»… nirgends wars zufällig«.
Rilkes Schicksalswende in Spanien
(Michael Ladwein)

Stufen einer Biografie.
Der Siebenjahresrhythmus bei Franz Kafka

(Hans Paul Fiechter)

Rembrandts Selbstporträts.
Rhythmen in einer außergewöhnlichen Autobiografie
(Ronald Templeton)

Lebensphasen. Eine Meditation
(Lorenzo Ravagli)



Essay

Zeitenwechsel der Menschheit.
Verstand steht. Freiheit lebt

(Klaus B. Harms)



Feuilleton

Das Jahr 2000 – Ein Brückenjahr
(Joachim von Königslöw)

Global Art 2000. Ausstellung »Kunst-Welten im Dialog.
Von Gauguin zur globalen Gegenwart« in Köln
(Matthias Mochner)



Natur & Umwelt

Planeten: Die Venus
(Thomas Schmidt)

Übungen zum »Dynamischen Tierkreis-Zeichnen« (X).
Von Schütze zu Steinbock.

Januar – Mistel
(Martin Sinzinger)



Forum Anthroposophie

Bemerkungen zur Konzentration und Meditation (2)
(Christian Guse)

Kulturumfrage und Kunstförderung

Gemeinsam gegen Gentechnik



Rezensionen

Heinz Zimmermann/Robin Schmidt:
Anthroposophie studieren
(Thomas Kracht)

Sigurd Martin Daecke/Carsten Bresch:
Gut und Böse in der Evolution
(Arne von Kraft)

Cornelia Schmitz-Berning:
Vokabular des Nationalsozialismus
(Erika Dühnfort)

Gideon Spicker:
Vom Kloster ins akademische Lehramt
(Stüssi)



Veranstaltungen

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen


Für Rilke
hat sich in Toledo an der Brücke in der Nähe jener Ketten von San Juan de los Reyes nichts Konkret-Fassbares im Hinblick auf die »Unbekannte« ereignet – wie auch? Doch ist ihm bei einem seiner nächtlichen Besuche dort eine Sternschnuppe erschienen. Diesem ihm unvergesslichen Erlebnis hat er in dem genau drei Jahre später entstandenen Gedicht »Der Tod« die Worte gegeben: »O Sternenfall, / von einer Brücke einmal eingesehn –: / Dich nicht vergessen. Stehn!«
Die Brücke aber, die ihm in Paris sei es von Geisterhand, sei es von seinem Unbewussten gezeichnet wurde, war eine Verheißung. Es war jene Brücke über den Abgrund seines Lebens, die ihm das Erlebnis Toledos errichtete.
Erst im Februar 1922 ist die »Stunde« gekommen, da sich die quälend lange Erwartung erfüllt und Rilke in jenem Turm von Muzot im Wallis in einem schöpferischen Ausbruch ohnegleichen in wenigen Tagen die Elegien vollendet und zusätzlich die 55 Sonette an Orpheus hervorbringt – die Gipfelleistung der deutschsprachigen Dichtung des 20. Jahrhunderts.

Michael Ladwein
ab Seite 16
Die Relativität
Die Relativität der Zeit – und damit auch die Geschichte ihrer Zukunft – ist … dem subjektiven Faktor Individualität geschuldet. Daraus ergibt sich die Perspektive des Menschen für die Erschließung seiner Zukunft: Objektive Geschichte ist die Summe ihrer Subjekte. Es gibt heute in zahlreichen Wissenschaftsbereichen Prognosen, nach denen die Handlungsfreiheit dieser Subjekte auf der Erde stark beschnitten ist. Grenzenloses Wachstum? Gentechnologie? Atomenergie? Umwelt? Das sind nur einige Felder, auf denen Verantwortung für die Zukunft Grenzen zieht. Und in den vergangenen Jahren wurde wiederholt gar ein »Ende der Geschichte« postuliert. Aber haben wir uns tatsächlich nichts Neues mehr zu sagen? Nichts Neues zu denken? Keine weitere Erkenntnisentwicklung? Alles schon dagewesen? Alles ausgeforscht? Der große, endgültige Knall? Das wohl nun doch nicht. Denn es ist die Verantwortung des Einzelnen und sein geistiges Bewusstwerden von sich in der Welt, die neue Gestaltungsräume öffnet. Verstand steht. Freiheit lebt.
Klaus Harms

ab Seite 59
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