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Für Rilke
hat sich in Toledo an der Brücke in der Nähe jener Ketten von San Juan de los Reyes nichts Konkret-Fassbares im Hinblick auf die »Unbekannte« ereignet wie auch? Doch ist ihm bei einem seiner nächtlichen Besuche dort eine Sternschnuppe erschienen. Diesem ihm unvergesslichen Erlebnis hat er in dem genau drei Jahre später entstandenen Gedicht »Der Tod« die Worte gegeben: »O Sternenfall, / von einer Brücke einmal eingesehn : / Dich nicht vergessen. Stehn!« Die Brücke aber, die ihm in Paris sei es von Geisterhand, sei es von seinem Unbewussten gezeichnet wurde, war eine Verheißung. Es war jene Brücke über den Abgrund seines Lebens, die ihm das Erlebnis Toledos errichtete. Erst im Februar 1922 ist die »Stunde« gekommen, da sich die quälend lange Erwartung erfüllt und Rilke in jenem Turm von Muzot im Wallis in einem schöpferischen Ausbruch ohnegleichen in wenigen Tagen die Elegien vollendet und zusätzlich die 55 Sonette an Orpheus hervorbringt die Gipfelleistung der deutschsprachigen Dichtung des 20. Jahrhunderts. Michael Ladwein ab Seite 16 |
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Die Relativität
Die Relativität der Zeit und damit auch die Geschichte ihrer Zukunft ist dem subjektiven Faktor Individualität geschuldet. Daraus ergibt sich die Perspektive des Menschen für die Erschließung seiner Zukunft: Objektive Geschichte ist die Summe ihrer Subjekte. Es gibt heute in zahlreichen Wissenschaftsbereichen Prognosen, nach denen die Handlungsfreiheit dieser Subjekte auf der Erde stark beschnitten ist. Grenzenloses Wachstum? Gentechnologie? Atomenergie? Umwelt? Das sind nur einige Felder, auf denen Verantwortung für die Zukunft Grenzen zieht. Und in den vergangenen Jahren wurde wiederholt gar ein »Ende der Geschichte« postuliert. Aber haben wir uns tatsächlich nichts Neues mehr zu sagen? Nichts Neues zu denken? Keine weitere Erkenntnisentwicklung? Alles schon dagewesen? Alles ausgeforscht? Der große, endgültige Knall? Das wohl nun doch nicht. Denn es ist die Verantwortung des Einzelnen und sein geistiges Bewusstwerden von sich in der Welt, die neue Gestaltungsräume öffnet. Verstand steht. Freiheit lebt. Klaus Harms ab Seite 59 |
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